Vom Erdgrab zur Weltraumbestattung: Übersicht über Bestattungsmöglichkeiten
Diese Überschrift ist mehr dem Versuch gewidmet, Sie neugierig zu machen, als dass sie die Häufigkeit unterschiedlichster Bestattungsarten widerspiegelte.
Erd- und Feuerbestattungen
Fakt ist: 95% (und mehr) aller Bestattungen sind entweder Erdbestattungen oder Feuerbestattungen. Dabei liegt das Verhältnis zwischen Erd- und Feuerbestattungen bundesweit und vereinfacht dargestellt, etwa bei 50 zu 50. Allerdings sind erhebliche regionale Unterschiede zu verzeichnen, die sich vergröbert wie folgt charakterisieren lassen: je mehr Süden und je mehr Westen der Republik: umso mehr Erdbestattungen; Je mehr Norden und je mehr Osten der Republik: umso mehr Feuerbestattungen. Das Verhältnis Stadt - Land spielt eine ähnlich Rolle. Verständlich, wenn man bedenkt, dass die katholische Kirche erst seit 1963 die Feuerbestattung gestattet.
Sowohl bei der Erd- wie bei der Urnenbestattung haben Sie die Wahlmöglichkeit zwischen Wahl- und Reihengrab. Das heißt nichts anderes, als das Sie beim Wahlgrab den Ort der Bestattung auf dem Friedhof bestimmen und dabei ein Einzel- oder Familiengrab kaufen können. Beim Kauf eines Reihengrabes erfolgt die Nutzung in der Reihenfolge der bereits angelegten Gräber. Missverständlich ist hier allerdings der Begriff "Kauf". Mit der Gebühr für den Grabplatz mieten Sie im Prinzip den Platz für die Zeit von 20 oder 30 Jahren - vielleicht auch nur von 15 Jahren. Die Dauer entscheiden die Betreiber der Friedhöfe - in der Regel Kommunen oder Kirchen - eigenständig und sehr unterschiedlich. Nach Ablauf der Frist müssen Sie den Platz entweder neu mieten, oder er wird anderweitig belegt.
Seebestattungen
Zu einer Seebestattung kann sich jeder, nicht nur Seeleute, entscheiden. Nach der vorangegangenen Einäscherung wird die Asche in einer Spezialurne, die sich im Meerwasser auflöst, in einem von den Angehörigen bestimmten Seegebiet dem Meer übergeben. Die Angehörigen erhalten im Regelfall eine Seekarte, in der die Längen- und Breitengrade der Bestattung eingetragen sind sowie eine Kopie aus dem Schiffstagebuch.
Selbtsverständlich können Angehörige gegen entsprechenden Aufpreis an der Beisetzungsfahrt teilnehmen.
Friedwaldbestattung
Die Bestattung in einem Friedwald ist in Deutschland erst seit dem Jahr 2001 möglich. Auch hier ist vorher die Einäscherung der Leiche erforderlich. Der nächstgelegene Friedwald ist der Friedwald Hasbruch bei Hude in der Nähe von Delmenhorst. (www.friedwald.de)
Die Urne wird in einem großen Waldstück im Wurzelwerk eines einzelnen Baumes bestattet, dabei wird eine Aufbahrungszeit von 99 Jahren garantiert. Es ist sowohl eine Einzelbestattung als auch eine Bestattung unter einem Familienbaum möglich. Interessenten können schon zu Lebzeiten einen Baum in einem der fast 30 Friedwälder in der Bundesrepublik aussuchen, unter dem später ihre Asche beigesetzt werden soll. Die Pflege der Grabstelle übernimmt die Natur. Zugleich kennzeichnet eine Plakette an dem Baum - sofern Sie das wünschen - den Ort Ihrer letzten Ruhestätte.
Aus diesem Gedanken heraus haben sich viele andere Formen der Baumbestattung entwickelt: von der Bestattung oder Ausstreuung der Asche unter einem Baumbestand des Friedhofs (so in Minden oder Syke) bis zum Ruheforst in der Eifel oder Ausstreuung oder Beisetzung der Asche in der "Oase der Ewigkeit" auf den Almen der Schweiz - die vielen Möglichkeiten der Bestattung werden auch für den Fachmann fast unübersehbar.
Dazu kommen noch die Möglichkeiten, die Asche eines Verstorbenen von einem Ballon, einem Hubschrauber oder einem Flugzeug zu verstreuen...
Urne im Wohnzimmer
Der folgende Artikel wurde (verkürzt) übernommen aus der Zeitschrift "Test spezial / Was tun im Todesfall?" der Stiftung Warentest vom Oktober 2005, Seite 30:
"Bernd Bruns will sich mit dem in Deutschland herrschenden Friedhofszwang für Urnen nicht abfinden... In keinem Land der Erde, so Bruns, wird der Umgang mit den Verstorbenen ... so kleinkariert und umfassend reglementiert wie bei uns. (...) Bruns gibt auf seiner Internetseite detaillierte Anweisungen, wie man den Friedhofszwang für Urnen umgehen kann. Zwei Umwege empfiehlt er dafür. Zum einen über das Krematorium Slangenburg in den Niederlanden und zum anderen über die "Oase der Ewigkeit" in der Schweiz. Das Bestattungsrecht der beiden Länder erlaubt es, die Asche an die Angehörigen auszuhändigen. So können auch Deutsche in den Besitz der Totenasche kommen und die Urne dann zum Beispiel zu Hause aufbewahren. Die Gesetzwidrigkeit dieser Vorgehensweise umgeht die "Oase der Ewigkeit" mit einem Trick. Die Urne wird mit der Option einer Almwiesenbestattung übergeben".
Dem ist nichts hinzuzuzfügen. (www.postmortal.de und www.naturbestattungen.de)
Amulette, Diamanten, Weltraum
Auch hier begnügen wir uns mit einer kurzen Zusammenfassung aus der o.a. Zeitschrift Test Spezial zu diesem Thema.
"Unter Mithilfe von Partnern im Ausland kann ein Teil der Asche auch in einem Medaillon oder einem Amulett verbracht werden, das die Hinterbliebenen ständig bei sich haben können. (...) Das günstigste Angebot, ein Diamant von 0,5 Karat, soll etwa 4.000 Euro kosten. (www.algordanza.ch). (....)
Für Exzentriker mit sehr viel Geld könnte eine Weltraumbestattung infrage kommen. Hierbei wird ein kleiner Teil der Asche in den Weltraum geschossen. Der Satellit verglüht beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre. (...) Space Services bietet die letzte Reise ins All zum Spartarif von 995 Dollar an. Allerdings ist das eher eine symbolische Bestattung, denn es wird nur ein Gramm der Asche transportiert. Sollen sieben Gramm Asche in den Orbit geschossen werden, verlangt das Unternehmen 5.300 Dollar. Rund 12.500 Dollar kostet es, ein Gramm seiner Asche auf den Mond bringen zu lassen" (www.memorialspaceflights.com).
Anonyme Bestattung
Kehren wir zurück zu Fragen, die uns vielleicht näher sind. In den letzten Jahren hat der Wunsch der Verstorbenen oder der Angehörigen nach einer anonymen Bestattung deutlich zugenommen.
Verständlich wird das aus der Sicht der Beteiligten: sowohl für denjenigen, der sich um die spätere Pflege seines Grabes sorgt, weil alle Angehörigen weit entfernt wohnen, wie auch für die Angehörigen, die erhebliche Reisekosten auf sich nehmen müssten, um das Grab zu pflegen, scheint der Ausweg einer anonymen Beisetzung ein gangbarer Weg zu sein. Der Vorteil einer anonymen Beisetzung liegt auf der Hand: es entstehen keine über Jahrzehnte belastende Pflegekosten der Grabstätte. Der Nachteil: Trauernde und Hinterbliebene vermissen - oft erst im Laufe der Jahre - einen konkreten und fassbaren Ort der Trauer. Denn: alle Trauerberater wissen, dass Trauer Zeit, aber auch einen Ort der Trauer braucht.
Die Lösung kann sein: eine naturnahe Beisetzung in einem Friedwald, im eigenen Garten, in einem Ruheforst. Die Natur übernimmt die Grabpflege. Trotzdem ist der Ort der Beisetzung genau bestimmt und kann jederzeit von allen Angehörigen aufgesucht werden.
Angesichts der vielen Möglichkeiten fällt es schwer, die richtige Entscheidung zu treffen. Wir beraten mit Ihnen die Entscheidung, die für Sie richtig ist.


